E-Mobility – meine Tests

Renault ZOE

Wer ein Stückweit zur nachhaltigen Umgestaltung von Mobilität beitragen will, kauft ein E-Auto und wird so zum kleinen Pionier. Tja, nur welches? Das ist gar nicht so einfach. Hier meine Erfahrungen …

 

  • Weiterführende Links zur E-Mobility am Ende des Beitrags
  • Kleines deutsch-französisches Glossar zur E-Mobility am Ende des Beitrags

2050, so heißt es, wird es kein Erdöl mehr geben. Gut, da werde ich höchstwahrscheinlich auch nicht mehr selbst ein Auto steuern. Mein aktuelles Auto, ein Peugeot 306, Baujahr 1995, ist zwar noch in Ordnung, fährt und hat die TÜV-Prüfung bestanden, doch er kommt nicht nur in die Jahre, er ist auch bei rd. 10-12 Liter Super je 100 Kilometer nicht sehr wirtschaftlich. Außerdem fehlt ihm etwas Entscheidendes: die Klimaanlage.

Nach kurzem Überlegen beschlossen wir, in Zukunft elektrisch zu fahren. Nein, kein Auto mit Hybridmotor zu kaufen, sondern eines, das 100 % elektrisch angetrieben wird. Mutig? Ach was! Die Welt braucht auch kleine Pioniere – in jedem Bereich. Was wir heute mit der E-Mobilität erleben, haben unsere Urgroßeltern beim Übergang vom Pferdewagen zum Automobil erfahren. Mit dem E-Auto lässt es sich klima- und umweltfreundlich, ressourcenschonend und effizient fahren. Und leise.

Drei E-Autos im Test

Bisher habe ich drei E-Autos getestet, jeweils über ein ganzes Wochenende:

  • Renault ZOE (über das freundliche Autohaus Krasser in Ettlingen)
  • VW e-Golf (über das ebenso freundliche Autohaus Stoppanski in Ettlingen)
  • BMW i3 (über das ebenso freundliche Autohaus Ungeheuer in Karlsruhe)

Der Opel Ampera stand auch auf der Liste. Allerdings ist er erstens ganz schwierig als Testwagen zu bekommen (Wartezeit 3 Monate), und zweitens kommt Opel mit der Lieferung des in den USA hergestellten E-Autos nicht nach (was auch ein Grund für den ersten Punkt ist).

Den Tesla will ich ebenfalls noch testen, allerdings ist er schon aus diversen Gründen (Größe, Preis, komplizierte Ladesituation …) keine Alternative, obwohl er der Reichweitenkönig ist.

Und schließlich möchte ich noch ein Wochenende lang den Smart Forfour Electric Drive unter die Lupe nehmen.

Asiatische Marken kommen aus Prinzip für mich nicht in Frage.

Spaß und Staunen

Gleich vorweg zwei Dinge:

Es hat unglaublich viel Spaß gemacht, diese E-Autos zu fahren, denn sie sind alle drei spritzig, wendig und ausgeklügelt sowohl in Bezug auf die Technik als auch auf die Ausstattung. Der e-Motor liefert schon ab der ersten Umdrehung sein maximales Drehmoment und beschleunigt unterbrechungsfrei – echt klasse.

Die 3 Testautos, die ich hier vorstelle, sind eigentlich nicht vergleichbar. Ich tu’s dennoch.

Ich bin mit jedem Auto in der Stadt, auf Landstraßen und auf der Autobahn gefahren. Es gab keinerlei Probleme – auch nicht beim Laden der Batterie. Ich habe das Kabel einfach an eine haushaltsübliche Batterie angeschlossen, da wir noch nicht über eine Wallbox verfügen.

Großes Thema bei E-Autos: die Reichweite. Die Autohersteller geben zum einen die Reichweite nach Durchfahren der Zyklen nach dem Neuen Europäischen Fahrzyklus (NEFZ) auf dem Rollenprüfstand und zum anderen eine sog. „reale“ Reichweite an. Die tatsächliche Reichweite weicht in der Praxis von der Reichweite nach NEFZ ab. Sie ist abhängig von diversen Faktoren:

  • Fahrstil: Den nervösen Fuß am Gaspedal gewöhnt man sich schnell ab, denn zumindest die 3 o.g. Testautos sind spritzig, so dass ein Kavalierstart an der Ampel gar nicht notwendig ist (wenn überhaupt).
  • Geschwindigkeit: Bei den drei Testautos lag die Höchstgeschwindigkeit bei ca. 140 (Renault ZOE) bis 165 (BMW i3) km/h. Reizt man das aus, purzeln die Reichweitenkilometer neben dem Tacho wie Schnee in der Sonne.
  • Reifenwahl: Rollwiderstandsoptimierte haben sicher einen Einfluss, der allerdings im Laientest nicht zu ermitteln ist.
  • Einsatz von Komfort-/Nebenverbrauchern sowie Außentemperatur: Alle 3 Tests fanden an Wochenenden mit großer Hitze über 30°C statt, so dass selbstverständlich die Klimaanlage auf Hochtouren lief.
  • Anzahl Mitfahrer/Zuladung: Wir waren zu zweit. Unser Profitestterrier Filou war natürlich dabei. Mehr „Zuladung“ gab es nicht.
  • Topografie: Bergauf wird mehr Strom verbraucht, bergab wird Energie zurückgewonnen, so dass die angezeigte Reichweiten zunimmt.

Alle 3 Testautos verfügen – wie alle Neuwagen heute – über Bordcomputer, Farbmonitor, Navi und diverse Assistenzsysteme. Das in meinen Augen wichtigste Assistenzsystem ist das Adaptive Cruise Control (ACC), die adaptive Geschwindigkeitsregelung mit Notbremsassistent. Eine Einparkhilfe mit Piepston sowie eine Rückfahrkamera waren auch dabei – für mich allerdings nervig bzw. überflüssig. Ein Tempomat finde ich auch langweilig.

Logisch, aber beim ersten Mal doch verblüffend ist, dass man so gut wie nichts hört, wenn das E-Auto anfährt. Was man bei höherem Tempo innen hört, sind die Abrollgeräusche der Reifen, des Luftwiderstands – der Motor ist nach wie vor leise.

Renault ZOE

Renault ZOE

Mit dem Renault ZOE sind wir von Karlsruhe aus ins Elsass gefahren: erst durch die Stadt, dann über die Rheinbrücke in Richtung Weißenburg (Wissembourg) – also keine Berge. Der kleine weiße Stromer war mit einem 92 PS starken Elektromotor, der in 13,2 Sekunden auf 100 km/h beschleunigt, ausgestattet. Mit der neuen 41 kWh Batterie liegt die theoretische Reichweite bei 400 Kilometern, wir sind 280 Kilometer gefahren – und die Batterie hatte noch Saft. Wir waren den ganzen Tag unterwegs, ohne zu laden, obwohl es Gelegenheiten (z. B. am Supermarkt) gegeben hätte, und sind erst nach einem Abstecher in Schweigen, am deutschen Weintor, und einem Abendessen im Weingut Leiling  (wunderschöner idyllischer Innenhof, wo es sich bei schönem Wetter und leckerem preiswerten Essen gut aushalten lässt) zurückgefahren. Zuhause angekommen haben wir das Ladekabel an eine haushaltsübliche Steckdose im Hof angeschlossen, am nächsten Morgen nach ca. 11 Stunden war der Ladezustand 99 %.

Für kürzere Ladezeiten benötigt man eine Wallbox, also eine eigene Ladestation in der Garage oder im Hof. Die Ladezeit verkürzt sich dann auf sechs bis neun Stunden, bei dreiphasiger Ladung auf ein zwei Stunden (Schnellladung). Eine Wallbox kostet je nach Ladefähigkeit (max. dreiphasig mit 32 Ampere / 22 kW) 755 bis 1705 Euro, die zum Fahrzeugpreis noch hinzukommen. Der Zoe ist im Basismodell schon für 21.500 Euro zu bekommen und ist somit eines der günstigsten Elektroautos auf dem deutschen Markt. Allerdings sind die Kosten für die Batterie nicht in diesem Betrag enthalten: Entweder man mietet sie für 49 bis ca. 150 Euro (je nach Laufzeit und Kilometerpauschale) oder man kauft sie für satte 8.000 Euro inkl. MwSt.

Zum Aufladen des Renault ZOE wird am Kühlergrill das Renault-Logo aufgeklappt. Ein blaues Licht zeigt an, dass geladen wird. Dass der Stecker vorn sitzt und nicht wie beim BMW i3 oder beim e-Golf an der Seite, hat den Vorteil, dass man das Kabel bei ungünstig platzierten Steckdosen nicht ums Auto herum führen muss.

Der ZOE hat mir ausgesprochen gut gefallen. Er ist spritzig, bequem, wendig und hat die kurvigen Straßen durch die Pfälzer Weinberge und das Nordelsass problemlos gepackt. Die für französische Autos typische weiche Federung war sehr angenehm, wobei ich das von meinem alten Peugeot gewöhnt bin. Die Bedienelemente sind praktisch angeordnet, der Bordcomputer mit Navi, Radio usw. selbst für Ungeübte gut beherrschbar. Einziges Manko: der sehr kleine Kofferraum. Mit 338 dm³ ist er doch sehr knapp bemessen.

Mehr Infos hier: Renault ZOE

Volkswagen e-Golf

Der e-Golf ist … ein Golf, wie man ihn kennt, nur mit Elektroantrieb. Also keine Überraschung in der Ausstattung, im Qualitätsniveau, im Außendesign usw. Komfortabel, geräumig, mit einer ganzen Reihe von teils serienmäßigen Assistenzsystemen bietet der e-Golf alles, was man von einem Auto dieses Segments erwartet. Die Reichweite liegt bei theoretischen 300 km nach NEFZ, real bei ca. 200 km – also wesentlich unter der Reichweite des Renault ZOE. Wer einen e-Golf neu kauft, bekommt von Volkswagen für Urlaubsfahrten (in den ersten beiden Jahren ab der Erstzulassung) ein Bonbon: Reisende lassen ihren e-Golf einfach zu Hause und erhalten kostenlos einen Mietwagen aus dem VW-Programm. Bis zu 30 Tage und 4000 Kilometer sind frei.

VW e-Golf

Der e-Golf 2017 verfügt über eine höhere Batteriekapazität von 35,8 kWh (gegenüber 41 beim Renault ZOE), der E-Motor leistet nun 136 PS. Wir konnten sehr gut beschleunigen und hurtige 140 km/h fahren – beim Blick auf die Reichweitenanzeige lässt man das aber ganz schnell sein und verlangsamt auf runde 100 bis 110 km/h.

Bei der Rückkehr von unserem Ausflug in der Südpfalz – ebenfalls auf flachem Gelände – hatten wir noch 10 % Saft in der Batterie. Bis zu 100 % benötigte der e-Golf rund 12 Stunden an der heimischen haushaltsüblichen Steckdose. Auch für ihn gibt es natürlich die schnelleren Lösungen.

Den e-Golf gibt es für 35.900 Euro Einstiegspreis, mit der einen oder anderen Option natürlich mehr. Die in meinen Augen sehr wichtige ACC, die bei Volkswagen „automatische Distanzregelung“ heißt, einschl. Stop & Go bis 210 km/h inkl. Umfeldbeobachtungssystem, „Front Assist“ mit Fußgängererkennung, kostet nur 320 Euro, während man für den beim reichweitenschwachen ganz nützlichen Range Extender, den Reichweitenverlängerer, schon tiefer in die Tasche greifen müsste. Der Range Extender ist ein Aggregat, bei dem in der Regel ein Benziner, ergo ein konventioneller Verbrenner zum Einsatz kommt, der bei leeren Akkus als Generator dient und bei Bedarf neue (elektrische) Energie erzeugt.

Der e-Golf hat mir auch gut gefallen. Da ich vor meinem Peugeot einen Golf GTI fuhr, habe ich mich von Innen- und Außendesign an meinen früheren Golf erinnert gefühlt. Mit 341 dm³ ist sein Kofferraum auch nicht viel größer als beim Renault ZOE.

Mehr Infos hier: VW e-Golf

BMW i3

BMW i3

Mit dem BMW i3 sind wir in den Schwarzwald gefahren und haben insgesamt rd. 550 Meter Höhenunterschied überwunden. Der Stromflitzer aus Bayern hatte damit überhaupt kein Problem und verlor dadurch auch nicht rasend schnell an Reichweite. Für großes Schmunzeln sorgte er auf der Rückfahrt, da beim „Herunterfahren“ auf 115 Meter, also nach Karlsruhe, die Reichweiteanzeige im Plusbereich die Kilometer addierte. Da kommt als E-Autofahrer wirklich Freude auf! Auch der BMW i3 benötigte an der heimischen Steckdose eine ganze Nacht, um sein Herzstück wieder aufzuladen.

Seine Reichweite nach NEFZ liegt bei 312 Kilometer, die tatsächliche Reichweite ist wesentlich niedriger. Eine Lösung wäre natürlich, nur auf abschüssigen Straßen zu fahren, doch die muss man erst finden. 😉

Der BMW i3 beschleunigt schneller, ist (noch) spritziger als der Renault ZOE, und sein Einstiegspreis liegt bei 36.800 Euro, mit Range Extender 39.450 Euro.

Er ist bequem, bietet ausreichend Platz und verfügt auch über die nötigen technischen Accessoires.

BMW i3

Dieses E-Auto ist für mich jedoch absolut keine Alternative. Meine Gründe:

  • Das Türkonzept ist absolut unpraktisch: Die hintere Tür ist sehr schmal und öffnet sich von rechts nach links, sie lässt sich nur öffnen, wenn auch die Fahrer- oder Beifahrertür geöffnet ist. Zudem ist die Einstiegshöhe größer als bei anderen Pkw (von SUV mal abgesehen).
  • Innen sieht das Auto wie ein unfertiges Conceptcar aus: Das Design ist sehr streng gehalten, die Materialien wirken entgegen der BMW-Aussage nicht hochwertig, sondern eher billig, ja, eben unfertig. Als ich das Auto zurückbringe, höre ich vom Verkäufer, dieses Auto sei eine abgespeckte Testversion gewesen, ein edles Interieur gebe es schon, dafür müsse man aber gut und gerne 3.000 Euro blechen. Nun ja, KO-Kriterium.
BMW i3 Fußraum vorn

Mehr Infos hier: BMW i3

 

Fazit

Was die meisten davon abhalten, sich einen reinen Stromer zuzulegen, ist die eingeschränkte Nutzbarkeit aufgrund einer zu geringen Reichweite. Klar ist, dass nicht für jeden Autofahrerbedarf das E-Auto geeignet ist. Strecken über 300 Kilometer sind nur mit einem Zwischenstopp zum Aufladen machbar. Aber: Laut Bundesverkehrsministerium fahren 80 Prozent der Autofahrer in Deutschland täglich meist nur 50 Kilometer oder weniger mit dem Privatwagen. Das schafft ein rein elektrisch betriebenes Auto völlig problemlos. Das private Auto soll auch für den spontanen Ausflug am Wochenende bereit stehen? Kein Problem, denn die Zahl der Ladestationen in Deutschland bzw. in Europa steigt wöchentlich.

Mit Zusatz-Apps wie beispielsweise Renault Z.E. PASS stellt die vermeintliche Schwierigkeit, unterwegs die nächstgelegene Strom-Ladestation zu finden und festzustellen, ob sie frei und kompatibel ist, kein Problem mehr dar. Damit verbunden ist eine RFID-Ladekarte, mit der man auch gleich zahlen kann. Praktisch.

Der Favorit meines Herzens ist nach wie vor der spritzige ZOE. Aber die Entscheidung ist noch nicht endgültig getroffen …

Interessante weiterführende Links:

Kleines Glossar DE-FR zur Elektromobilität: hier zum Download.

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