Wenn das 5. Lichtlein brennt

Schon wieder ist ein Jahr (fast) vorbei, und so mancher fragt sich, wo die Zeit geblieben ist. War das Jahr denn kürzer als sonst? Ganz sicher nicht, 2016 war sogar ein Schaltjahr.

Werden Sie vor und an Weihnachten auch nachdenklich, vielleicht sogar wehmütig? Oder lässt Sie der Weihnachtsrummel kalt? Wie auch immer Sie die Tage verbringen mögen, ich schenke Ihnen hier ein kleines Päckchen Zeit …

Hatten Sie eine schöne Adventszeit? Meist wird es zum Jahresende hin noch hektischer als sonst. Lassen Sie die Adventszeit Revue passieren und lehnen Sie sich einen Moment zurück, um dieses Gedicht von Horst Rehmann zu lesen:

Die erste Kerze brennt für Stille,
für Ruhe und Gemütlichkeit,
für Herzlichkeit und für den Wille,
zu leben in Behaglichkeit.

Die zweite Kerze brennt für Hoffnung,
für die Kraft und für den Glauben,
für Vernunft und für die Achtung,
und für die weißen Friedenstauben.

Die dritte Kerze brennt für Anstand,
für Respekt und auch für Güte,
für Gerechtigkeit und für Verstand,
und fürs eigene Gemüte.

Die vierte Kerze brennt für Liebe,
für das Wichtigste auf dieser Welt,
es gäbe nichts das uns noch bliebe,
wär nicht sie an Nummer Eins gestellt.

In dieser Zeit geht mir so einiges durch den Kopf … Zum Beispiel, dass es auch an sog. Hochfeiertagen wie Weihnachten Menschen gibt, die nicht zu Hause mit ihren Lieben feiern können: Ärzte und Pfleger in den Krankenhäusern und im Notdienst, Taxifahrer und Straßenbahnführer, Feuerwehrleute, Polizisten, um nur wenige Beispiele zu nennen. Gerade vorhin hörte ich ein Interview im Radio, in dem eine Frau erzählte, dass sie an Heiligabend von 16 bis 22 Uhr Dienst hat: Sie ist ehrenamtlich in der Telefonseelsorge tätig und weiß aus den Vorjahren, dass besonders viele Menschen anrufen, weil sie an diesem besonderen Abend einsam sind.

Weihnachten verbinde ich mit Kindheitserinnerungen: Weihnachtslieder vom alten Tonband, Lametta am Christbaum, die Schere und der Papierkorb, die schon bereit standen, die mit von Mutter gebackenen Plätzchen gefüllte Kristallschale, die eigens für diesen Abend aus der Vitrine geholt wurde, und ein Gedicht von Anna Ritter:

Denkt euch, ich habe das Christkind gesehen!
Es kam aus dem Walde, das Mützchen voll Schnee,
mit rotgefrorenem Näschen.

Die kleinen Hände taten ihm weh,
denn es trug einen Sack, der war gar schwer,
schleppte und polterte hinter ihm her.

Was drin war, möchtet ihr wissen?
Ihre Naseweise, ihr Schelmenpack –
denkt ihr, er wäre offen der Sack?

Zugebunden bis oben hin!
Doch war gewiss etwas Schönes drin!
Es roch so nach Äpfeln und Nüssen!

Noch ein Gedanke … Neuerdings steht bei vielen Online-Artikeln, die von Zeitungen und Magazinen angeboten werden, ein Hinweis zur „Lesedauer“. Sind wir schon so weit gekommen, dass dies ein Kriterium für hopp oder top ist?

Innehalten und bewusst den Augenblick wahrnehmen, sich an kleinen Dingen des Lebens erfreuen und sich auf jene Dinge, die wir als selbstverständlich erachten, besinnen – das ist eine Begabung, die wir Menschen im hektischen Alltag oft vernachlässigen.

Für 2017 wünsche ich Ihnen sowohl beruflich als auch privat, dass Sie recht oft Gelegenheit haben, sich dieser Begabung bewusst zu werden und sie anzuwenden.

Ihnen und Ihren Lieben alles Gute, Gesundheit und Gelassenheit. Herzlichen Dank für Ihr Interesse, Ihre Verbundenheit und Ihre Bereitschaft zum Dialog, für die vielen Worte der Anerkennung und auch die Anregungen, verbunden mit den besten Wünschen für ein mit gemeinsamen Ideen, mit Austausch und Freude prall gefülltes Jahr 2017.

Mit herzlichen weihnachtlichen Grüßen

Ihre

Giselle Chaumien-Wetterauer

P.S. Die Gif’s (Tannenbäume, Christbaumkugeln und Schneemänner) stammen von dieser wunderbaren Seite hier. Danke.

4 Gedanken zu „Wenn das 5. Lichtlein brennt“

  1. Vielen Dank für die Gedichte. Speziell das Zweite kennt man aus Kindertagen.
    Liebe Giselle, auch Ihnen ein frohes Weihnachtsfest, Zeit zum Zurücklehnen und zur Besinnung. Für das neue Jahr Gesundheit, Glück und Erfolg.
    Martina Schilp

  2. Ruth Boggs, MA, CT, Administrator, German Language Division of the American Translators' Association (ATA) sagt:

    Vielen dank für diesen Artikel, der Nostalgie aufkommen lässt und nachdenklich macht. Ihnen ebenfalls ein Frohes Fest und ein tolles Jahr 2017.
    Alles Gute aus Virginia/USA, Ruth Boggs

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